So langsam möchte ich wieder den alltäglichen „Wahnsinn“ erleben. Ich möchte wieder meine Zeit exakt einteilen, die vielen Termine strukturieren, viele Stunden außer Haus sein, manchmal nicht „wissen wo mein Kopf steht“ und am Abend erschöpft auf den Sessel fallen. Langsam fehlt mir die „gute, alte Zeit“. Nicht, weil sie so viel besser oder „gut“ war, sondern weil ich mich mit Menschen austauschen, unterhalten, lachen, diskutieren und streiten konnte. Ich konnte mich, trotz meinem vollen Terminkalender, mit einer Freundin in das Café setzen und für eine halbe oder dreiviertel Stunde einfach unterhalten, ohne Maske und Abstand. Ich konnte einen Termin beim Arzt machen, ohne draußen in der Kälte zu warten. Ich konnte den Friseurtermin genießen und mich einige Zeit verwöhnen lassen. Und wenn ich Lust hatte, konnte ich einfach mal einen Blickwechsel vornehmen und shoppen fahren, einfach so. Heute undenkbar! Es fehlt mir! Mir fehlen die Gespräche mit den Mitarbeitern, das intensive Vorbereiten auf ein Projekt, das Händeschütteln, die Umarmung und das Zusammensein. Es fehlt das lustige Miteinander, das Ringen um Kompromisse und die Freude, wenn etwas gelungen ist. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf! Ich werde und will mich nicht mit dem „Ist“-Zustand zufriedengeben. Ich hoffe und bete, dass die alten Zeiten der gemeinsamen Taten und Tage wieder kommen. Ich freue mich auf die erste Umarmung, die erste Urlaubsreise nach den Einschränkungen und auf die Freiheit, das zu tun, was ich gern möchte. Doch ich mache mir nichts vor, es wird nicht mehr so sein wie vorher. Einiges ist auf der Strecke geblieben, jedoch hat anderes für mich an Bedeutung gewonnen. Freundschaft, Zusammensein, Feste feiern, gemeinsam zu arbeiten, Glauben und diesen gemeinsam zu leben, sind plötzlich Schätze, die ich vorher nicht als diese erkannt habe. Gott hat sie mir schon immer geschenkt, aber als wertvoll, habe ich sie jetzt erst erkannt.

Gemeindepädagogin Kerstin Sensenschmidt

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