Ich stolpere bei der Predigtvorbereitung zum 24. Oktober über die harte Aussage Jesu: „…und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert“. Wie soll ich das als fünffacher Vater glaubwürdig weitersagen? Ich kann nur ehrlich meine eigene Anfechtung zugeben. Eine Woche später in Vorbereitung des Reformationsgottesdienstes erinnert mich der Satz „Und du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen…“ wieder an diese Herausforderung. In derselben Woche ist ein türkisches Ehepaar bei uns zu Gast, das in Izmir eine evangelische Gemeinde leitet. Jahrelang konnte er als Pastor nur mit Bodyguard aus dem Haus gehen; inzwischen ist „nur“ noch ein Polizist sonntags vor der Kirche nötig als Schutz vor Anschlägen. Könnte ich auch so leben und arbeiten? Im Reformationsgottesdienst selbst berichte ich über Luthers Mut, mit dem er vor genau 500 Jahren auf dem Wormser Reichstag zu seinem Glauben stand, bereits vom Papst mit dem Bannfluch belegt und vom Kaiser nun mit der Reichsacht bedroht. Anschließend singen wir die 4. Strophe des bekannten Lutherliedes „Ein feste Burg“, wo es heißt: „Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr´, Kind und Weib: lass fahren dahin…“. Das dichtete Luther 7 Jahre später, als er bereits verheiratet und Vater geworden ist! Nach dem Gottesdienst spricht mich ein lieber Bruder und erfahrener Mitarbeiter an, der das alles wohl auch so gehört hat, und sagt: „Bei solchen harten Aussagen frage ich mich, ob ich überhaupt richtig Christ bin“. Gottes Wort ist eben ganz anders als unsere Worte. Und wir können es wohl nur richtig weitergeben, wenn es uns selbst getroffen hat.

Martin Buschhaus

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